Vogelfutter vom Wegesrand


Als Grundfutter erhalten unsere exotischen Körnerfresser wie Sittiche, Papageien, Kanarien, Prachtfinken und Täubchen, je nach Art und Körpergröße, Hafer, Weizen, Hirse, Glanz, Rübsen, Raps, Mais Lein, Hanf, Sonneblumenkerne, Mohn, Negersaat und diverse Früchte. Für alle diese Arten und besonders für die am häufigsten gehaltenen Arten wie Wellensittiche, Nymphensittiche,Kanarien und Prachtfinken hat der Handel heute eine gut und richtig zusammengestellte Mischung im Angebot. Aber nicht immer ist mit diesem Futter das Wohlbefinden der Vögel gesichert; ganz zu schweigen von in "Brutstimmung kommen" und "Nachwuchsaufziehen".


Unsere Pfleglinge bedürfen dazu zusätzlicher Futterstoffe, die unsere heimische Natur in reichem Maße in Form von Unkräutern, oder wie man richtiger sagt, Wildsämereien bietet.

Aus der großen Gruppe der Hirsearten, die als Senegal-, La-Plata-, Marokko- und Japanhirse im Grundfutter für kleine Körnerfresser enthalten sind, bietet die heimische Natur die Hühnerhirse. Diese Hirse, übrigens die Wildform der Japanhirse, ist bei uns überall anzutreffen und wird auch von Wildvogelarten gern genommen.

Besonders beliebt aber sind bei allen Körnerfressern die halbreifen, milchigen Samenstände unserer heimischen Gräser. Bei Spaziergängen über Wiesen oder im Wald begegnet uns das Deutsche Weidelgras, Gemeines Zittergras, Wiesenknäulgras, Wiesenschwingel und Rispengras. Diese Gräser sind über die gesamte Vegetationszeit zu finden. Alle diese Sämereien haben im halbreifen bis frischreifen oder aber in angekeimtem Zustand verfüttert, den höchsten Nährwert. Viele Wildsämereien sind sogar ausschlaggebend für eine erfolgreiche Brut und Aufzucht. Wichtig ist, daß man vieles anbietet, um die Vorlieben der Vögel für einzelne Futtersorten zu erkennen.

Als Grünfutter kann Luzerne, alle Kleearten, Löwenzahn, Scharfgarbe, Vogelmiere, Huflattich, Spitz- und Breitwegerich, Kreuzkraut, Hirtentäschelkraut und Brennesseln angeboten werden. Diese Pflanzen werden sowohl als Grünfutter verzehrt, beliebter sind jedoch ihre Samenstände. Beim Löwenzahn müssen vor dem Verfüttern die Fallschirme entfernt werden. Die halbreifen Samenstände der Brennessel werden besonders gern gefressen. Man kann auch durch Trocknung der Pflanze ein hervorragendes Grünmehr herstellen, das im Winter dem Weichfutter beigefügt werden kann.

Wertvolle Aufbaustoffe für Sittiche und Papageien bietet auch die Rinde von Pappel-, Weiden-, Ahorn-, Buchen-, Linden-, Birken-, Apfel-, Birnen- und Holunderzweigen. Durch das Reichen von frischen Zweigen der genannten Gehölze, wird außerdem der oft erhebliche Nagetrieb der meisten Papageienvögel befriedigt. Die frischen Blatt- und Blütenknospen sind zudem reich an Eiweisstoffen und werden gern gefressen.

Die reifen und besonders die halbreifen Samenstände von Königskerzen, Nachtkerzen, Sauerampfer, Kletten, Salat, Beifuß, Melde, Huflattich und Vogelknöterich werden von allen körnerfressenden Vögeln sehr gern aufgenommen und sind teilweise zur Aufzucht vieler heikler Arten unerläßlich.

Häufig wird jetzt in unseren Gärten die Riesendistel als Zierpflanze kultiviert. Sie hat Samen von Reiskorngröße, die halbreif von Sittichen und größeren Finken sehr gern gefressen werden. Die harten, reifen Samen stellen ein ausgezeichnetes Futter für Täubchen dar.

Ein weiteres wertvolles Futter sind die Früchte von Heidel-, Brom-, Him- und Johannesbeeren, sowie die des wilden Weins, des Efeus, des Holunders, des Weißdorns, der Eberesche und die Hagebutten der wilden Rosen. Letztere können ebenso wie die Früchte der Eberesche (Vogelbeeren) getrocknet werden, um im Winter geschrotet dem Weichfutter beigemischt zu werden. Man kann sich auch für den Winter einen Vorrat anlegen, indem man die Beeren einfriert oder trocknet. Aber getrocknete Beeren sind nicht gerade Leckerbissen für unsere Vögel; sie fressen sie allerding auch. Es ist besser, wenn man aufgetaute Beeren reicht, die den frischen Früchten nicht nachstehen und vom Erscheinungsbild auch noch frisch aussehen. Vitamine und Spurenelemente sind bei den eingefrorenen und aufgetauten Beeren voll erhalten, was bei getrockneten in dem Maße nicht mehr der Fall ist.

Auch das Sammeln von Birken-, Erlen und Nadelholzsamen (keine Eibensamen, sie sind giftig, auch die Rinde) lohnt sich. Sie werden von den meisten Finken sehr gern gefressen. Die in manchen Jahren recht zahlreich anfallenden Bucheckern werden von größeren Sittichen und Papageien regelrecht gierig gefressen. Die Samen der Goldrute, die fast jede Ödlandfläche besiedelt, eignen sich als Futter für Sittiche und Prachtfinken. Die Kerne der zahlreichen Sonnenblumenarten bieten ebenfalls ein nahrhaftes, energiereiches Futter. Besonders beliebt sind die ganzen Dolden in halbreifem Zustand.

Beim Sammeln all der aufgeführten Pflanzen muß beachtet werden, daß sie nicht mit Unkrautbekämpfungsmitteln und anderen Chemikalien behandelt wurden, nicht durch Hundeexkremente verschmutzt sind bzw. nicht von Rändern stark befahrener Straßen stammen.

Autor: Elke Thomas