Rosellasittich

Der Rosellasittich wird von allen australischen Plattschweifsittichen, speziell den Platycercus-Arten, am häufigsten von Züchtern gehalten. Er kommt in drei Unterarten vor: der gemeine Rosellasittich (Platycecercus exeminins exeminius), der Tasmanienrosellasittich (Platycercus exeminius dimenensis) und der Prachtrosella (Platycercus exeminins ceciliae). Alle drei Arten wurden oft miteinander gekreuzt, so dass heute kaum noch eine reine Art in den Volieren anzutreffen ist. Durch seine leuchtenden Farben ist der Prachtrosella der beliebteste der drei Arten. Die goldgelbe Besäumung der schwarzen Rückenfedern, deshalb wird er auch oft Gelbmantelsittich genannt, der gelbe Bauch und der rote Kopf mit den weißen Kehlflecken ergeben ein Bild vollkommener Farbharmonie.

Das Verbreitungsgebiet des Prachtrosellas auf dem australischen Kontinent ist das Innere von Südqueensland und Neusüdwales. Interessant ist, dass sich der Prachtrosella in den letzten Jahrzehnten immer weiter küstenwärts ausgedehnt hat. Das steht mit der zunehmenden Austrocknung Australiens im Zusammenhang.

Der Tasmanienrosellasittich, das besagt bereits sein Name, ist in Tasmanien anzutreffen. Der gemeine Rosellasittich hat sein Verbreitungsgebiet in Südwales, Victoria und im südöstlichen Südaustralien.

Der Rosellasittich war ursprünglich ein Bewohner offener Savannenlandschaften. Aber mit der dichteren Besiedlung Australiens hat er sich eng an den Menschen angeschlossen und sich zu dem ausgeprägtesten Kulturfolger aller Sittiche Australiens entwickelt. Er ist sogar oft in Parkanlagen im Zentrum der Großstädte anzutreffen.

Die Gruppe der Platycercus wird in zwei Artengruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe gehören die Pennantsittiche und zur zweiten die Rosellas. Die Vertreter jeder Artengruppe sind miteinander verwandt. Zur Gruppe der Rosellas gehören die beschriebenen drei Unterarten, der Blaßkopfrosella, der im Norden vorkommt, der Stanleysittich, der den Rosella im Westen Australiens vertritt, und schließlich der Brownsittich, der dem Blaßkopfrosella am nächsten verwandt zu sein scheint.

Der Rosellasittich hat, wie alle australischen Großsittiche, wenig Geselligkeitsbedürfnis. Bei Versuchen, Rosellas im Freiflug zu halten, zeigte sich, dass bei Begegnungen untereinander sofort Kampfstimmung eintrat. Das bedeutet, dass in unseren Volieren niemals zwei oder mehrere Paare, vor allem nicht zur Brutzeit, zusammengehalten werden können. Die Volieren, in denen wir Rosellas unterbringen, sollten möglichst weit von einander entfernt sein, um Störungen im Brutverlauf zu vermeiden.

Haltung in Menschenobhut

Rosellasittiche brüten in Menschenobhut, wenn auch nicht immer ergiebig, so doch recht zuverlässig. Voraussetzung für die erfolgreiche Zucht aller Arten sind genügend Erfahrung und Kenntnisse über Haltung und Zucht exotischer Vögel.

Rosellasittiche legen vier bis acht Eier. Nach dem Legen des dritten Eies beginnt das Weibchen mit der 21 bis 22 Tage dauernden Brut. Es verlässt das Nest in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen der Jungen kaum. Nach einigen Tagen erscheint es dann morgens und abends und wird vom Männchen gefüttert. Mit fortschreitendem Alter der Jungen sucht es diese in immer größeren Abständen auf. Sind die Jungen dann flügge, werden sie aus dem Nistkasten ausgehungert.

Das heißt, sie werden nicht mehr oder nur wenig gefüttert, um sie zum Ausfliegen zu zwingen. Das kann bis zu zwei Tage dauern. Drei bis vier Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungen dann futterfest und werden oft von den Alttieren weggebissen. Das sollte für den Züchter ein Alarmzeichen sein, die Jungen aus der Voliere zu entfernen, weil die Alttiere ihre zweite Brut beginnen wollen.

Zuchtbereitschaft

Rosellasittiche sind mit zwei Jahren voll ausgefärbt und zuchtfähig. Bei guter Kondition und einwandfreier Haltung tritt die Bereitschaft zur Zucht aber oft schon nach einem Jahr ein. Allerdings lässt die Zuverlässigkeit der einjährigen Tiere noch zu wünschen übrig. Oft ist das erste Gelege trotz der erfolgten Kopulation unbefruchtet. Das zweite Gelege kann dann bereits befruchtet sein, und die Jungen schlüpfen auch aus. Häufig setzt aber gerade bei zu jungen Elterntieren der Fütterungstrieb aus. Deshalb sind bei jungen Paaren Nestkontrollen besonders wichtig, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Das bedeutet, dass der Züchter die Fütterung der Jungtiere unter Umständen selbst übernehmen muss.

Dr. H. Gerbert beschreibt in seinem Buch „Australische Sittiche in der Voliere" ausführlich, wie die künstliche Fütterung mit Hilfe einer Sonde vorgenommen wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich diese Ratschläge gut anwenden lassen: Ein junges Paar Rosellasittiche meiner Zucht hörte plötzlich nach zehn Tagen auf, die fünf Jungtiere zu füttern. Deshalb fütterte ich dreimal täglich mit einer Sonde und auch nach dem Ausfliegen noch einige Zeit. Ich ließ die Jungtiere jedoch im Nistkasten mit den Alttieren zusammen und nahm sie nur zur Fütterungszeit heraus. Das wirkte sich günstig auf die Zeit nach dem Ausfliegen aus, da die Alttiere bei der Gewöhnung an das Körnerfutter halfen. Komplikationen kann es auch bei älteren Tieren geben, aber grundsätzlich sollte man doch seine Paare erst mit zwei Jahren zur Zucht ansetzen.

Eine andere Erscheinung bei einjährigen Tieren ist, dass sie ihre Jungen totbeißen. Dabei handelt es sich um hormonelle Störungen, die im zweiten Jahr wieder behoben sein können.

Abwechlungsreiches Futter

Über die Fütterung vor und während der Brutzeit ist schon viel und ausführlich geschrieben worden. Dennoch werden diese Hinweise nicht immer genügend beachtet, und es kommt dadurch zu Misserfolgen. Die Tiere sind auf das ihnen in Menschenobhut angebotene Futter angewiesen. Darum muss der Züchter besonders bemüht sein, seinen Vögeln abwechslungsreiches Futter anzubieten, das im Vitamin-, Mineral- und Nährstoffgehalt dem Futterangebot der freien Natur annähernd entspricht.

Gerade zu Beginn der Zuchtperiode ist der Eiweißbedarf besonders hoch. Wir decken ihn am besten mit käuflichem oder selbsthergestelltem Ei- bzw. Aufzuchtfutter für Großsittiche.

Auch der Vitaminbedarf wird zum Brutbeginn größer. Während wir im Winter Möhren und Äpfel zusätzlich füttern, stehen uns im Frühjahr schon Vogelmiere, Zweige, Knospen und Rinden zur Verfügung. Angekeimte Sämereien, vor allem Weizen, in dem das Vitamin E enthalten ist, sind wertvoll, um den Vitaminbedarf, besonders in der feuchten und kühlen Jahreszeit, zu decken. Das Vitamin E, als sogenanntes Fruchtbarkeitsvitamin, ist für den Zuchtbeginn besonders wichtig.

Allergrößter Wert muss während der Zuchtperiode neben dem Körner- und Weichfutter auf die Grünfütterung gelegt werden. Gerade im Sommer stehen uns viele Grünfutterpflanzen, wie Löwenzahn, Hirtentäschelkraut, Franzosenkraut, Kreuzkraut, Wegerich, alle halbreifen Grassämereien, später dann die Früchte der Eberesche, Nachtkerze, Wilder Beifuß usw. zur Verfügung. Daraus können wir unseren Tieren eine gute Mischung zusammenstellen, so dass sie sich das ihnen Zusagende selbst auswählen können.

Beitrag von:
Elke Thomas