Freude und Probleme bei der Beo-Haltung als Hobby ein Erfahrungsbericht



von Zfrd. Manfed Fabig

Kurzes Vorwort:

In meinem Erfahrungsbericht geht es nicht um eine exakte Darstellung von Haltung, Aufzucht und Pflege von Mittelbeos und den damit verbundenen Anforderungen, Erkenntnissen und Problemen, sondern schlichtweg nur als Information über eigene, aus Hobbysicht gesammelten Erkenntnisse, ohne dabei auf generelle Fragen der Vogelhaltung einzugehen.
Es besteht deshalb auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Sollten Sie selbst eigene Ergebnisse, Hinweise und dgl. geben können, schicken Sie mir bitte eine E-Mail. Danke!

Entflogen:

Begonnen hat unser Hobby vor ca. 7 Jahren mit der Anschaffung von 3 Kanarienvögeln, die in einem entsprechend großen Käfig im Haus gehalten wurden. Um den Tieren auch etwas Gutes zu tun, wurden sie bei schönem Wetter auf eine breite Fensterbank unseres Innenhofes gestellt. Wie das so ist, muss man manchmal auch außer Haus einige Dinge erledigen, sodass in dieser Zeit der Vogelkäfig nicht beaufsichtigt war. Unser Hund Bruno, ein ansonsten allzu treuer, polnischer Spitz-Mix hat in dieser Zeit seine Aufsichtspflicht verletzt, und hat eine Katze aus der Nachbarschaft nicht des Hofes verwiesen. Es kam wie es kommen musste, die Katze hat doch den gesamten Käfig vom Fensterbrett geholt, sodass sich beim Aufprall auf den Boden der Käfig öffnete. Eine Kanarie wurde das Opfer des Räubers, die anderen konnten in ihrer panischen Angst auf nimmer wiedersehen davon fliegen.

Beginn::

Das war eigentlich erst der Beginn dieses Hobbys, das vordergründig aber von meiner Frau bearbeitet wird. In den Jahren 1999 und 2000 habe ich dann 2 relativ große Außenvolieren errichtet, sodass sich von den Haltungsbedingungen einiges verbessert hat.

Blick vom Hof in Richtung Garten.

Es wurde auch nicht gesteigerter Wert auf eine Intensivzucht, und der damit verbundenen separaten Haltung, gelegt, sondern das Zusammenleben verschiedener Arten, die aber auch die Gewähr für ein friedliches Zusammenleben in der Voliere geben.

Blick von rechts.

Mittlerweile sind in den vergangenen Jahren, trotz des oftmals untereinander störenden Verhaltens, auch Nachzuchten insbesondere bei den Finkenvögeln, Kanarien, Sittiche und auch bei den Chinesischen Nachtigallen geglückt.

Mittelbeo namens Wagner - Sawitzke:


Am 15. März 1998 hatte meine Frau mir zu meinem 50. Geburtstag einen Beo aus 2. Hand gekauft. Die Besitzer wollten ihn abgeben, weil sie ein Baby bekommen haben, und der Beo, m. E. aus Eifersucht, recht aggressiv wurde. Ob es ein Wildfang war, oder aus Nachzucht kam, konnten unsere Vorbesitzer nicht sagen. Da wir uns intensiv mit der relativ wenig vorhandenen Literatur über Beo's beschäftigt hatten, sind wir eigentlich sehr gut klargekommen, d. h. meine Frau hatte da mitunter Probleme.
Das lag u. E. daran, dass zum einen unser kleines Enkelkind von meiner Frau umsorgt wurde, und wieder Eifersüchteleien im Spiel waren, und unser Beo namens Wagner-Sawitzke, sehr stark auf mich fixiert war. Er ließ also keine Gelegenheit aus, meiner Frau richtig mit Schnabelhieben zu begegnen. Es ging sogar soweit, dass sie nur mit Schutzhelm in die Außenvoliere ging, wenn er gerade auch Freiflug hatte. Zunächst hatte er auch mich attackiert, was aber dann nachgelassen hat. Er war mir, besser gesagt, ich war ihm dann so vertraut, dass ich mit ihm in der Hand auch Rundgänge auf meinem Grundstück machen konnte, ohne dass er wegfliegen wollte. So konnte ich immer ganz bequem mit ihm zu unserer großen Außenvoliere gehen und ihn dort "austoben" lassen. Ich konnte ihn später auch auf meiner flachen Hand auf den Rücken legen, er blieb liegen, und er machte nicht den Versuch, sich wieder aufzurichten. Das wurde ihm nicht besonders beigebracht, sondern hat sich einfach so ergeben. Er hatte außerdem aber immer seinen Freiflug im Haus.

Wagner-Sawitzke auf der Schulter.

Sein umfangreicher Sprachschatz mit großer Deutlichkeit, was mir noch so einfällt, wie:
"Was hast du gesagt?" (mit Kinderstimme),
"Hast du schöne Beine",
"Komm' mal her! " (bittend),
"Komm' her!" (fordernd),
"Ich komme!"
"Guten Tag",
"Gute Nacht",
"Keine Zeit",
"Quasselkopf"
Melodien " Du bist verrückt mein Kind"
und "La, la, la, la, la, la, la", Hausklingel und dgl.,
und natürlich seine artgerechten Laute pfeifend, machte uns und unserem Bekanntenkreis, sowie der Nachbarschaft, immer große Freude. Aber er hatte bei uns nicht mehr soviel dazu gelernt, nur unsere Vornamen und das La, la, la, und wir nahmen sogar an, dass er älter war, als das, was man uns erzählte.
Trotz guter Fütterung mussten wir feststellen, dass er angefangen hat sich häufig im Kreis zu drehen. Das Röntgen in der Tierklinik brachte keine wesentlichen Erkentnisse, bestimmte Vitaminspritzen hatten noch mal Linderung gebracht. Aber es dauerte nur noch 1 bis 2 Wochen bis er wieder in die Tierklinik musste, und dort dann, wahrscheinlich an der Drehkrankheit, am 14.10.00 verstarb.
Eine histologische Untersuchung haben wir dann nicht mehr machen lassen, da ohnehin schon ein sehr hoher Kostenaufwand entstanden war.
Es war für uns dann nach dem Ableben von Wagner - Sawitzke keine schöne Zeit, und wir wollten uns eigentlich keinen Beo mehr anschaffen, zumal meine Frau ja noch eine ganze Reihe von Finkenvögel, Sittiche, andere Weichfresser und Kanarien hat.

Mittelbeo namens Benno:

Aber man kann es wohl auch so sagen, dass es wie eine Art Sucht ist, wenn man ein solches Tier hatte, kommt man mit den Gedanken davon nicht los, und schon nach kurzer Zeit ist man wieder in der Spur. So dauerte es nur bis zum 22.10.00, wo wir einer Zeitungsanzeige folgend 125 km ins brandenburgische bei Jüterbog fuhren, um uns den Beo Benno, wieder mindestens aus 2. Hand, ansehen wollten. Trotzdem waren wir uns noch nicht schlüssig, ob wir es tatsächlich noch einmal mit einem Beo versuchen sollten.
Wir kamen zu der jungen Familie mit Kleinkind, beide berufstätig, hatten kürzlich erst einen alten Bauernhof übernommen und wollten diesen rekonstruieren und ausbauen.
Wir hörten als erstes auf dem Hof einen Schäferhund, sahen eine Katze, in einer Außenvoliere eine kleine Bande Finkenvögel, Kanarien und Sittiche, und erfuhren noch von ihren Pferden auf der Koppel.
Aber wo war denn der Beo, wegen dem wir uns eigentlich auf den Weg gemacht haben?
Benno fristete so ein Schattendasein in einem Beokäfig in einem ca. 12 m² großen Abstellraum in ihrer Wohnung, jenseits des Bauernhofes, auf der anderen Seite der Dorfstraße. Ursprünglich wurde er mit seinem Käfig in der Küche, gegenüber der Abstellkammer, gehalten, wurde aber später aus welchen Gründen auch immer, ausquartiert.
Man konnte es sofort dem Benno ansehen, in welchem Pflege- und Gemütszustand er war. Seine Behausung sah ebenso aus wie die unaufgeräumte Abstellkammer.
Zumindest, wenn man jemand bezüglich des Vogels erwartet, spätestens dann sollte man ein wenig Ordnung ins Umfeld bringen. So wie es aussah, muss sich Benno auch gefühlt haben.
Er war reichlich aggressiv und hackte bei Annäherung sofort zu. Im Vergleich zu unserem Wagner-Sawitzke war Benno von der Körperstruktur kräftiger gebaut, sodass für uns von vornherein feststand, dass es ein Hahn ist. Die Besitzerin erzählte uns, dass ihr Mann beim Käfig säubern, den Beo immer mit der Hand gefangen und herausgenommen hat. Sie erzählte uns auch, dass ihr Mann sie mit dem Beo, den er in einer Berliner Zoohandlung gekauft haben will, überraschen wollte, weil sie ja immer schon auf einen Beo stand.
Und nun hat man keine Zeit mehr für ihn, mit dem Kleinkind, Haus, Hof und allem drum herum.
Deshalb hätten sie sich entschlossen, den Beo wieder abzugeben.
Eine gute Sprachbegabung konnte man Benno nicht absprechen. Was wir dort als erstes festgestellt haben, war, dass er so herrlich, fast auf Kommando, niesen kann. Der Besitzer hatte eine Allergie, sodass er häufig niesen musste. Und das hat Benno sehr gut gelernt. Man braucht selbst nur aus dem Nebenzimmer zu husten, niesen, räuspern und dgl., es kommt dann sofort das mitunter mehrfache Echo von ihm. Weiterhin konnte er mit seinem lang gezogenen "Aauuuuu..." und dem in mehreren Intervallen nachfolgendem Lachen in einer höheren Tonlage, mit Übergang in eine tiefere Tonlage, gefallen.
Kurz und gut, wir hatten uns entschieden, dass wir ihn mitnehmen wollten. Es war dann tatsächlich nicht einfach, beim Saubermachen des Käfigs oder Futternäpfe einhängen, ohne Attacken seinerseits davonzukommen. Ich habe mir zeitweise einen Lederlappen um das Handgelenk und Unterarm gezogen, damit er mit seinen Schnabelhieben nicht zu sehr Wirkung erzielt.
Jedenfalls hatte ich sehr großen Respekt vor seinen Angriffen, denn mitunter krallte er sich so fest, dass man den Eindruck hatte, dass er sich förmlich verkrampft, und ich ihn dann nur vorsichtig abgestreifen konnte. Auch beim Zureichen von Futterstücken durch die Käfigstäbe kommt es mitunter vor, dass er nach Lust und Laune zuschlägt. Problematisch war es immer bei seinem Freiflug. Wir waren gut beraten nicht unbedingt seine Flugbahn zu kreuzen. Man muss sich eben auch auf solche Gegebenheiten einstellen.
Wir glauben, das zum Teil angriffslustige Verhalten des Beo's war bei den jungen Leuten der wahre Hintergrund, den Vogel wieder wegzugeben.
Dennoch bereitet er uns viel Freude und wir können mit ihm, und über ihn, herzhaft lachen.
Wenn man kommt, ruft er gleich: "komm' her" oder öfters auch "na Benno".
Er pfeift inzwischen so, als wenn ich nach unserem Hund pfeife.
Dann, und das hat er nicht von mir, in der Tonlage, als ob man einer jungen Frau hinterher pfeift.
Täglich hat er auch Sätze drauf, die aus der polnischen Sprache kommen müssten. Wir haben dann nur unsere Deutungen zu seinem Gerede, "Mach dich in die Spur", "Oma hat Hunger", und er hat natürlich noch für uns unverständliche ganze Sätze parat.
Wie schon erwähnt waren wir auch ohne Feder - DNA - Analyse der festen Meinung, das Benno männlichen Geschlechts ist.
So reifte bei uns die Überlegung, nicht zuletzt wegen dem mitunter aggressivem Verhalten des Vogels, ihn mit einem Partner, besser Partnerin, zu vergesellschaften.

Mittelbeo namens Lieschen:

Nun sind wir wiederum einer Zeitungsanzeige nachgegangen, und haben uns am 5. März 2001 in Berlin - Wedding in einem kleinen Haus in einer Gartenkolonie einen noch relativ jungen Beo ansehen wollen.
Da uns natürlich klar war, das man eigentlich rein äußerlich nicht erkennen kann, ob es wirklich eine Henne ist, wie wir uns das so wünschten, war doch der erste Eindruck für uns positiv.
Nach der schmalen, schlanken Figur des Beo zu urteilen, im Vergleich mit unseren Beo's und denen, die wir bis dato gesehen hatten, waren wir beide der Auffassung, dass es wirklich eine Henne ist.
Alle Ecken werden auf kleines Getier abgesucht.
Außer "Beo" zu sagen, ein lautes Klingelgeräusch zu machen, und natürlich die arteigenen Laute von sich zu geben, war sprachmäßig mit ihr nicht viel los.
Das war für uns auch nicht so wichtig, zumal sie sehr zutraulich und ruhig war, ohne aber handzahm zu sein. Insgesamt waren dort im Haushalt keine guten Platzverhältnisse, es war noch ein Schäferhund da, Zeitprobleme, sich mit den Tieren zu beschäftigen, vielleicht auch der ausbleibende Spracherfolg führten wahrscheinlich dazu, den Beo wieder abzugeben.
Die Eingewöhnungsphase in unserem Hause, im mitgekauften Beo-Käfig, und neben dem von unserem Benno's Stellplatz aufgestellt, verlief einigermaßen komplikationslos.
Es kam dann auch bald der Tag, an dem beide Käfigtüren gleichzeitig geöffnet wurden, und die weitere Annäherung konnte problemlos erfolgen.
Nach 3 Monaten wurde sie gemeinsam mit den inzwischen durch Öffnung verbundene Käfige in unseren Blumen - Wintergarten gebracht.
Natürlich gab es auch mal Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden, die dann mit meist angedeuteten Schnabelhieben ausgetragen wurden. Das ist auch jetzt nach ca. 2 Jahren noch so.

Mittelbeo namens Luci:

Eines Tages wurde meine Frau von den Leuten angesprochen, von denen wir damals den inzwischen verstorbenen Wagner - Sawitzke hatten. Freunde von ihnen wollten ihren Beo abgeben. Es war eigentlich nicht unsere Absicht noch einen dritten Beo zu halten, aber ihn ansehen, schon aus vorhandenem großen Interesse, das wollten wir schon. Der Besuch bei der jungen Familie mit mehreren Kindern in der 7. Etage eines Berlin - Marzahner Hochhauses war für uns dann schon nicht alltäglich, kurz gesagt, die Tiere in der Wohnung, einschließlich der Beo, hatte es nach unserem Eindruck besser als die kleinen Kinder, die sich gegenseitig betreuen mussten. Der Pflegezustand des Beo's war u. E. in Ordnung. Er war auch zutraulich und kam auch gleich auf die Hand.
Luci auf meiner Schulter.
Gern spricht er die Worte: "Guten morgen mein Süßer", oder "Mein Süßer, Süßer".
Was er aber am besten kann, ist "Alkohol", "Alkohol", ganz laut, klar und deutlich.
Woher kommt das wohl, fragte fast scheinheilig der Besitzer.
Ich sagte ihm im Scherz, "der kann doch lesen".
Es stand nämlich noch eine derartige 0,7 l - Flasche vom Vorabend auf dem Tisch.
Das war nun unser insgesamt 4. Beo.
Er erhielt seinen Stammplatz an der Stelle in unserer Küche, wo vor dem Umzug in den Wintergarten, Benno und Lieschen gestanden hatten, also im täglichen Nahbereich von uns.
So ist natürlich klar, dass sie bei jeder Mahlzeit auch auf den Küchentisch will. Und wer kann da immer wiederstehen, ihr die Ausstiegsklappe zum Freiflug zu öffnen.
Sie hat am Tage so ihre Zeiten, wo viel erzählt wird. Mit "ja" und "nein", "Au weia", melodisch "Beo - Beo", bestimmte Pfeifgewohnheiten und dgl. Somit haben wir auch mit ihr sehr viel Freude.
Wenn wir Luci bei gutem Wetter mit Ihrem Käfig in die Sonne nach draussen stellten, hat sie zeitweise doch immer ganz schön Spektakel gemacht. Auch wenn kein Sichtkontakt ist, war die Kommunikation zu Lieschen und Benno über die offene, natürlich mit Volierendraht gesicherte Wintergartentür sehr gut, sodass zwischen beiden Hennen ziemlich lautstarke Schreie ausgetauscht wurden. Weiterhin ist zu befürchten, dass Luci selbst draussen zu laut wird, da sie besonders die Gegenwart und Laute der Nymphensittiche in der vorhandenen Aussenvoliere nicht mag.
Im Moment ist sie auch sehr lautstark und verlangt vom Verhalten her, so interpretieren wir es, einen Artgenossen als Geschlechtspartner.

Partnerschaft zwischen Benno und Lieschen:

Die Partnerschaft entwickelte sich auf einem guten Wege. Vielleicht waren auch die äußeren guten Bedingungen vielversprechend.
Der ca.14 m² große Wintergarten, fußbodenbeheizt, und immer einigermaßen gut temperiert, dazu im oberen Bereich längs und quer angebrachten Sitzstangen, und nicht zuletzt die auf den Fensterbänken ringsum aufgestellten Blumentöpfe, waren natürlich immer äußerst interessant, und dem Wohlbefinden unseres Pärchens sehr dienlich.
Lieschen und Benno auf Freiflug.
Lieschen und Benno auf Inspektion
Nachdem aus der Partnerschaft Benno und Lieschen in den Vorjahren in ihrem Wintergarten zwar mehrere Bruten, und auch Schachtelbruten, getätigt wurden, mussten wir immer feststellen, dass die Eier von ihnen zerstört und aus dem Nest herausgeworfen, und auch nicht immer befruchtet waren.
Wir haben immer angenommen, dass Benno vielleicht zu träge und oftmals uninteressiert gegenüber den Werbungen der Henne, schlichtweg der "schuldige " Teil zum Ausbleiben der Nachkommenschaft ist.
Insofern waren auch in diesem Jahr unsere Erwartungen eher gering, zumal die Brutzeit Ende März und draußen noch teilweise knackiger Frost war.
Die Balz war wie gehabt im gesamten Bereich des 2,20 m x 6,30 m großen Wintergartens mit massiver Bedachung, und den wegen des Winters noch vollgestellten größeren Grünpflanzen, im vollen Gange.
Der Nestbau mit Zeitungsschnipsel und angebotenem trockenem Birkenreisig wurde im Schlafkasten der beiden gemeinschaftlich vollbracht.
Das Treten der Henne wurde gegenüber den Vorjahren von uns diesmal aber nur einmal gesehen. Und das war auch noch so lustig. Als er abstieg fing er sein in 2 Tonlagen gehaltenes Lachen an. Da muss man unwillkürlich auch darüber lachen.
Im Nest lagen dann später 2 Eier, die aber, wie wir beobachteten, intensiver bebrütet wurden. Da wir auf den genauen Legezeitpunkt nicht geachtet haben, wussten wir eben nur so ungefähr, wenn der Schlupftermin sein konnte, zumal wir Störungen am Nest durch Nachsehen weitestgehendst vermeiden wollten.
Da die 2 verbundenen großen Innenvolieren sozusagen im "Wintergarten - Schaufenster" zur Straßenseite stehen, und unser Beo-Pärchen gewöhnlich beim Freiflug auf ihrem Käfig obenauf sitzen, sich sonnen, und anderweitig die Zeit vertreiben, bleiben natürlich oftmals Spaziergänger am Zaun stehen, um sich kurzzeitig an unseren Beiden zu erfreuen. So kam es am 1. April beim Gespräch an der Grundstückspforte mit Nachbarsleuten, die auch einen Beo haben, zu der Frage, was nun mit der Brut der Beo's geworden ist.
Ich habe darauf geantwortet, dass es dieser Tage sich klären müsste, ob es wieder nur "Luftnummern" waren, oder diesmal doch etwas herauskommt. Daran geglaubt habe ich jedoch nicht.

Eigene Nachzucht:

Trotzdem habe ich gleich danach im Nest nachgesehen, und war natürlich freudig überrascht, als sich im Nest Leben regte.&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;- &xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;&xnbsp;Das war ein gelungener Aprilscherz!
Blick in die Kinderstube.

Das Junge muss tatsächlich erst kürzlich geschlüpft sein, denn früh beim Futternäpfe und Badewasser einhängen war noch nichts zu hören.
Beim zweiten Ei war noch nichts erkennbar und es lag noch daneben.
Nun war die Spannung natürlich riesengroß, was nun aus dem 2. Ei wird.
Am nächsten Tag war es dann soweit. Auch das 2. Ei wurde erfolgreich ausgebrütet.
Es ist ja nicht so, dass man mit 5 Jahren Beo-Haltungserfahrung sich nicht auch für die Nachzucht interessiert, und sich belesen hätte, aber dann kommt so eine Situation doch irgendwie überraschend.
Da wir mit ansonsten wohl sehr seltenen Beo-Nachzuchten noch keinerlei persönliche Erfahrungen hatten, und auch in diesem Jahr eigentlich wieder nicht so richtig damit gerechnet haben, steht man erst mal da, wie der berühmte Ochs vor dem neuen Tor.
Meine Frau hat dann eine Reihe uns bekannter und noch nicht bekannter Ansprechpartner und Erfahrungsträger in Sachen Vogelaufzucht telefonisch gesucht und gefunden, um einige entstandene Fragen zu klären.
Wir konnten feststellen, das das Elternpaar fleißig fütterte und die kleinen auch gehudert haben.
Wir hatten zwar die ganze Palette von Aufzuchtfutter und auch obstiges angeboten, aber vordergründig wollten die Vogeleltern Heimchen haben.
Noch ein Blick in die Kinderstube.

Oskar ist aber gewachsen!

Das ging 4 Tage gut. In der Annahme, dass auch die kleineren Heimchen, die wir da hatten, genehm sind, wurde nicht auf Vorrat gekauft, sodass wir am Sonnabend, nachdem die größeren Heimchen verbraucht waren, auf ein mal dastanden.
Ob insgesamt zu wenig gefüttert wurde, oder andere Gründe vorlagen, war für uns nicht erkennbar, am Sonnabend nachmittag jedoch lag das Erstgeborene Küken tot im Nest. Es sah wie plattgedrückt aus, hatte noch die Nestwärme.
Wir wollten es gar nicht wahrhaben, und haben noch versucht, durch leichtes Körper massieren möglicherweise wieder Leben einzuhauchen. Leider ohne Erfolg.
Das zweite Küken sah vom Allgemeinzustand auch nicht so besonders gut aus. Da wir ja keine tierärztliche Vorbildung haben, und nun somit weitgehend verunsichert waren, wollten wir uns nicht sofort entscheiden, ob wir es aus dem Nest nehmen, oder noch bis zum nächsten Tag warten.
Es wäre uns verständlicherweise lieber gewesen, das Elternpaar zieht das Küken allein auf.
Als wir es am nächsten früh sahen, war uns aber klar, dass wir es nur, wenn überhaupt, nur von Hand groß bekommen werden. So haben wir das am 2. April 2003 geschlüpfte Beo-Küken am Sonntag den 6. April aus dem Nest genommen und in einem keramischen Blumentopf, fein ausgepolstert und mit Küchenpapier ausgelegt, einquartiert.
Mit einer Rotlichtlampe und nach mehreren Einstellungen mit dem richtigen Abstand zum Zögling, haben wir die erforderliche Umgebungstemperatur von 30 - 35° C gehalten.
Wir wussten, das kann nur eine Übergangslösung mit der Lampe sein. Eigene Überlegungen gingen dahin, mit einem vorhandenem Kontaktthermometer eine Temperaturregelung selbst zu bauen. Aber bei den zwischenzeitlich schon erfolgten telefonischen Kontakten mit verschiedenen Erfahrungsträgern ergab sich, dass mit einem ganz profanen häuslichen Elektro-Heizkissen die notwendige Nestwärme erreicht werden kann.
Die uns ebenso genannte professionelle Lösung mit einem Brutkasten wäre mir eigentlich lieber gewesen, aber stand eben nicht sofort zur Verfügung. Da es nun ja auch so geht, bleibt es dabei, zumal wir zunächst sehr oft die Temperatur im Nest, um sicher zu gehen, nachgeprüft hatten, und sich die einfache Lösung als gute Lösung herausgestellte. Die (wärme)technische Seite war somit geklärt.
Wird es auch mit dem Füttern gehen?
Mit dem anzubietenden Futter selbst?
Mit der richtigen Menge?
Mit den entsprechenden Zusatzstoffen, wie Vitaminen, Mineralien usw.? Fragen über Fragen!
Nach anfänglichem Zögern nahm unser Küken, das meine Frau Oskar nannte, das ihm gereichte Futter gierig an. Dann hat er stündlich etwas erhalten. Das "Sperren" war von Oskar schnell erlernt, sodass es bei der Nahrungsaufnahme erst mal keine Probleme gab. Auch die "Reste-Rückgabe" in einem schön geschlossenem Kot-Ballon funktionierte hervorragend. Das war schon einmal ein gutes Zeichen!
Aber es stand trotzdem die Frage, ist das angebotene Futter (kleine Heimchen, Maden des Mehlkäfers, Ameisenpuppen, frische Obststücken, aufgeweichte Beoperlen, immer alles mit Dextropur und kurz mit Wasser vernetzt, sowie ein englisches Vitamin- und Mineralien - Präparat, auch das Richtige?
Hat Oskar auch genügend Flüssigkeit erhalten?
War es die nötige Menge, oder vielleicht zu viel pro Mahlzeit?
Nach dem Sperren selbst kann man ja nicht unbedingt nur gehen, denn dann könnte es durchaus zu viel werden! Da meine Frau vor ein paar Jahren schon einmal 3 Schwalben aufgezogen hatte, und diese schon fliegen konnten, und dennoch 2 Stück von heute auf morgen verstarben, war die Verunsicherung zum eigenen Tun schon recht groß. Wir berücksichtigten die uns von den Erfahrungsträgern genannten Hinweise, die auch unterschiedlicher Natur waren, nach bestem Wissen und Gewissen. Da von den Befragten jeder so seine eigenen Erfahrungen mit der Vogelaufzucht machte, konnte man somit auch viele verschiedene Einzelheiten aufnehmen, und für den eigenen Meinungsbildungsprozess nutzen.
Nach den 4 ersten Stunden nach der Nestentnahme, und den damit von Hand gegebenen stündlichen Mahlzeiten für das Küken, stand für uns fest, dass es vom Aussehen und von seiner Konstitution her, jetzt eine reelle Chance zum Überleben gab, obwohl wir ganz genau wussten, dass es nicht einfach wird. Nach 8 Tagen hatten wir immer am frühen morgen das Problem, dass er ziemlich stark geschwächt aussieht, und auch keinen richtigen Appetit hat. Das änderte sich erst in den Vormittagsstunden. Dann wird sich auch lautstark gemeldet, dass es wieder Zeit für die Mahlzeit ist. Er bekommt mittlerweile im Rhythmus von 1,5 Stunden, mit abwechselndem Angebot und nun mit Kamillentee, seine Rationen gereicht. Abends um 23.00 Uhr letztmalig am Tag, dann erst wieder früh gegen 6.00 Uhr. Am 9. Lebenstag, wog er schon 80 gr. Die Gewichtszunahme war vom 7. Tag an zufriedenstellend. Auf der Fotoseite Oskar Klappe 1 und Oskar Klappe 2 kann man unschwer seine Fortschritte erkennen. Wir hoffen natürlich, dass es ein ganz normaler Entwicklungsprozess von der Größe, Federbildung und auch von den Extremitäten her, ist. Manchmal hatten wir den Eindruck, dass das linke Bein bei seiner Sitz- bzw. Standhaltung seitlich nach außen abdriftet. Der von uns kontrollierte Zugriffsdruck seines linken und rechten Fußes erscheint jedoch gleich kräftig. Es ist schon imposant wie sich der kleine Kerl nach dem Futter reckt und entsprechend laut seine Mahlzeiten einfordert.

So nahm er eigentlich kontinuierlich zu. Am 11. Lebenstag wog er 95 gr., am 13. waren es schon 118 gr., am 15. ging es nur noch auf 123 gr. Die Steigerung des Gewichtes liess etwas nach. Warscheinlich hängt es damit zusammen, dass in dieser Entwicklungsphase die zugeführte Energie zum großen Teil auch für den rasant forteilenden Federaufbau benötigt wird. Über die Stufen 128 gr. am 17. Tag und 140 gr. am 19. Tag, trat wieder bis zum 21. Lebenstag (140 gr.) eine kurzzeitige Stagnierung ein. Am 23. Tag wog er aber dann schon 155 gr. Vergleichszahlen haben wir leider nicht, aber vom Aussehen her hat er sich u. E. gut entwickelt.
Dem erhöhten Energiebedarf Rechnung tragend, erhielt er neben dem schon genannten Futter dann noch Anteile an Blütenpollen, ein bischen Schabefleisch, und seit dem 21. Tag auch noch im Handel angebotene, zerkleinerte, nackte Babymäuse. Wir haben zunächst auch erst einmal die Nase gerümpft, aber Oskar haut das Zeug tatsächlich gierig hinunter. Hauptbestandteil sind aber nach wie vor die Heimchen.
Zwischenzeitlich ist er zu Beginn der 4. Lebenswoche schon sehr gut befiedert. Trotzdem befinden sich immer noch relativ viel Schuppenrückstände, die beim Entfalten der Federn aus den Kielen entstehen, in seiner Kiste. In den Fotos kann man teilweise auch gut die Blutkiele erkennen, aus deren Spitzen sich dann langsam rückwärts die Federn hervortun.
Bemerkenswert ist auch, dass er in diesem Entwicklungsstadium schon versucht sich zu putzen. Das erfolgt zwar nicht so intensiv und ausdauernd, aber immerhin.
Schon sehr gut ausgebildete Befiederung

Mit der guten Befiederung wurde die Beheizung seines "Nestes" am Tage reduziert und seit dem 24. Lebenstag eingestellt. Er hat die Möglichkeit, und nutzt sie auch, in seiner Kiste richtig in eine Ecke einzukuscheln.
Ganz deutlich geniesst er auch seine Kuscheleinheiten, die er vorrangig abends von uns bekommt. So klettert er auch, wenn er die Möglichkeit hat, gern an unserem Oberkörper nach oben.
Was uns aber besonders aufgefallen ist, ist seine Ängstlichkeit gegenüber Geräuschen und sonstigen Dingen. Da wird dann schnell mal abgeduckt, als könnte etwas passieren. Das ist warscheinlich bei den Beos genetisch bedingt. Es ist aber auch für uns ein Zeichen dafür, dass er nicht zu zeitig zu unserem Beo Luci räumlich plaziert werden sollte. Am 30. April 2003, genau an dem Tag wo Oskar 4 Wochen alt ist, hat er seinen ersten für uns sichtbaren Mini-Flug vom Sofa auf den Tisch gemacht, wo gerade sein Futter zubereitet wurde. Da auch draussen schönes, sonniges Wetter und sehr warm ist, bin ich mit ihm in die Sonne. Hatte ihn auch mal auf den Boden gesetzt, do hopste er auch schon los. Ein Kurzflug wollte er auch starten, ich konnte aber schnell meinen Arm in Flugrichtung bringen, sodass er gleich wieder landen musste. Das ging alles ziemlich schnell, d. h. das Risiko ist warscheinlich doch zu groß, ihn draussen einfach mal loszulassen. War auch alles sehr interessant für ihn ringsherum, hat sich auf dem Arm ganz in Ruhe geputzt, wollte aber immer wieder auf die Schulter, aber das darf er sicherheitshalber nur im Hause.
Ein Problem wird möglicherweise später auftreten, falls wir den Neuankömmling Oskar wirklich richtig groß bekommen. Dann nämlich wird es kritisch mit dem Platz, es sei denn, Luci und Oskar vertragen sich gut.
Ansonsten muß ich noch eine Voliere bauen, aber eben aussen, und das gefällt mir in Bezug auf den Winter absolut garnicht, oder wir müssten Luci wieder abgeben. Das fällt mir aber bestimmt sehr schwer.
Wie heisst es doch gleich? - Kommt Zeit - kommt Rat!
Man kann also feststellen, unserem Beo Oskar geht es soweit gut, aus dem Gröbsten ist er heraus. Er flattert ja schon seit 8 Tagen mächtig in seiner Kiste, sodass meine Frau ihn schon am 26. April in einen Käfig umgesiedelt hat. Den hat er problemlos angenommen und bei den Mahlzeiten schnell selbständig den Weg heraus gefunden. Es ist schon erstaunlich wie schnell die kleinen Geschöpfe wachsen.
Am 1. Mai hat er das erste Mal von allein gebadet. Wir hatten nur den Plasteteller mit Wasser auf seinen Käfig hingestellt, und er war eigentlich nur zufällig in den Napf getapst.
Das Baden gefällt ihm sichtlich gut!

Trocknet mich denn keiner ab?

Nun, liebe Beofreunde, möchte ich erst mal, dass die Berichterstattung über meine ersten 5 Wochen unterbrochen wird. Ich bin, wie gesagt, schon gut befiedert, mache schon kleine Sprünge, kann schon ganz gut fliegen, lande gern bei Frauchen auf dem Kopf, natürlich auch auf dem Arm oder Schulter. Wie ihr gesehen habt, macht mir auch das Baden Spass, aber gefüttert will ich immer noch werden, das ständig selbstständige fressen habe ich leider noch nicht gepackt!
Auch nach Ende der 6. Woche ist es noch so. Ich brauche aber jetzt meine intensive Kuscheleinheiten auf "Vogelvaters" Bauch, Schulter oder Arm. Und das genieße ich so richtig ! Ein Bad in der Sonne ist mir auch sehr dienlich. Ich bin auch nicht weggeflogen, als ich mehrfach auf dem Arm über den Hof getragen wurde.
Vom 14. bis 16. April hat das Elternpaar dann schon wieder 3 Eier gelegt und auch bebrütet. Diese hat es aber nacheinander ab 19.4. täglich, eines nach den anderen, aus dem Nest geworfen.
3 Beo-Eier im Nest

Dem Gesamtverhalten der beiden nach zu urteilen, wird das Lege- und Brutgeschäft bestimmt bald wieder aufgenommen. So ist es auch geschehen. Am 30.4. lag wieder ein Ei im Nest. Die Henne war wieder eifrig am und im Brutkasten, und hat wieder 3 Eier gelegt, die inzwischen auch schon wieder entfernt wurden. Leider weiß ich nicht, ob die Eier auch schon befruchtet sein können, da ja die letzten Bruten nicht allzu lange her sind.
Nunmehr beginnt erneut der umfangreiche Nestbau und es wird nicht lange dauern, bis wieder ein Gelege vorhanden ist. Wir lassen uns also einmal mehr überraschen was daraus wird!


Nachtrag zu Oskar:

Nun ist unser Oskar am 18. Juni 03 schon 11 Wochen alt geworden. Er hat sich weiterhin prächtig entwickelt. Am liebsten nimmt er die breite Palette an Obst zu sich, natürlich schon selbständig. Trotzdem hat er es sehr gern, wenn er gefüttert wird. Man braucht nur eine Handbewegung Richtung Oskar machen, im Käfig, oder auch beim Freiflug, das obligatorische Sperren als Küken kommt immer noch. Die vor Wochen als kleiner Vogel gierig verschlungenen Heimchen aus dem Handel, oder jetzt die Heuhopser von der Gartenwiese, beides will er jetzt absolut nicht mehr. Auch mit den Beoperlen kann er sich nicht richtig anfreunden. Sein Energiebedarf muss aber relativ groß sein, denn er frisst mehr, als die ausgewachsenen Beos. Er wiegt jetzt 170 Gramm. Oskar ist ein richtiger Spiele - Max. Nichts ist vor ihm sicher. Alles was auf dem Tisch liegt, und sich von ihm transportieren lässt, wird zielgerichtet vom Tisch geworfen und dann natürlich hinterhergeschaut.
Zwischenzeitlich hatte er uns großen Kummer gemacht.
Wir hatten ihn, da er ja ausreichend handzahm ist, so dachten wir zumindest, auf unserem Hof öfters aus dem Käfig gelassen. Er blieb auch immer schön bei uns und hopste von der Hand auf den Kopf, auf die Stuhllehne und dgl., auch als Besuch da war, beim Kaffee. Wir hatten es uns zwar gesagt, dass wir das nicht mehr lange machen können,aber, na ja, es war halt schön so.
Doch am 25. Mai, gegen 19.30 Uhr, wir hatten gerade Besuch, Oskar hopste im Käfig hin und her und wollte raus. Ich machte wie selbstverständlich seinen Käfigverschluss auf, und nahm an, er kommt wie gewohnt auf die Hand.
Aber dem war nicht so. Er schoss einer Brieftaube gleich so schnell nach draußen, tippte nur kurz auf die Dachrinne auf, und flog in großem Bogen um unsere hohe Trauerweide herum in Richtung "Erpetal", einem Bachlauf mit beidseitig, hohem Laubbaumbestand.
Da half auch kein ständiges Rufen mehr, er zog von dannen.

Die Aufregung war natürlich groß. Ich habe ihn dann ca. 2,5 Stunden bis zum dunkel werden gesucht. Jedoch ohne Erfolg. Bloß gut, dass aus dem angekündigten Gewitter in der Nacht nur eine stärkere Windauffrischung wurde.
Am nächsten früh bin ich um 4.00 Uhr aufgestanden und habe rufend und suchend die unmittelbare und weitere Gegend, aber eben nur in dieser Richtung Erpetal, abgesucht. Auch wieder ohne Erfolg. Ich kam dabei zu der Erkenntnis, dass bei einer derartigen Vielzahl von Vögel und Arten der Vogelwelt, die sich in diesem Gebiet aufhält, der kleine Oskar kaum eine Chance hat.
So habe ich dann 20 Suchzettel geschrieben und ausgedruckt, und hatte kurz vor Mittag damit begonnen, diese an zentralen Punkten im Ort zu befestigen, in der Hoffnung, dass er sich irgendwo im Ort, wie er es gewohnt ist, bei jemandem auf den Kopf setzt oder auf den Arm fliegt.
Gegen 13.00 Uhr, meine Frau wollte gerade zur Arbeit, kam ein Anruf, und die Frage, ob wir Beos hätten. "Ja natürlich", sagte ich, "aber einer ist uns gestern leider weggeflogen". "Dann kommen sie mal schnell in die Lange Straße 24 zu Familie Erfurth". "Er sitzt hier im Apfelbaum, aber wie bekomme ich ihn da herunter", fragte die Anruferin. "Nehmen sie ein Stück Obst und halten sie ihren Unterarm hin", sagte ich ihr schnell, "und rufen einfach Oskar". Ich legte auf und holte den Autoschlüssel und meine Frau schwang sich auf das Fahrrad. So schnell waren wir noch nie in der Langen Straße! Als wir ankamen, saß Oskar schon auf einer Baugerüststange und fraß der Frau Bananenstückchen aus der Hand. Er war total ausgehungert und ich habe ihn erst mal sicherheitshalber unter mein Oberhemd gesteckt, damit er nicht gleich wieder ausbüxen kann. Die Erleichterung war natürlich groß, insbesondere meine Frau brauchte ihre Zeit sich wieder zu beruhigen.
Wie es der Zufall eben wollte. Oskar ist zwar in nordöstliche Richtung von uns weggeflogen, abgeholt haben wir ihn aber in genau entgegengesetzter Richtung. Dazu kam noch, dass unsere befreundete Bekannte, Metta Herzog, die unsere Beos kannte, gerade zu Frau Erfurth, einer Nachbarin, schräg über die Straße gehen wollte. Es flog ihr ein Vogel knapp über den Kopf, und sie dachte zunächst an eine Amsel. Als er aber auf der Mülltonne landete, und dann auf den Apfelbaum weiterflog, sah sie, dass es ein Beo ist.
Sie rief der aus dem Haus kommenden Frau zu, sie möchte ganz schnell das Telefon holen und uns anrufen, denn es kamen nur wenig Beobesitzer hier in Frage. So kam der erste größere Ausflug von "Oskar, der Eroberer" noch zu einem guten Ende.
Damit aber nicht genug.


Am 30. Mai 03, der Tag nach Himmelfahrt, ich war gerade unterwegs, rief meine Frau aufgeregt auf dem Handy an, Oskar ist schon wieder weggeflogen. Er hat in der Küche auf dem Kopf von unserer Enkeltochter gesessen, flog auf einmal in den Flur, und von da durch den eigentlich geschlossenen, schweren Fliegenvorhang vor der Tür, ins Freie.
Aber diesmal blieb er sozusagen in unserer Straße. Er hat es sich zunächst gemütlich gemacht in den Bäumen, hüpfte, sozusagen wie im bekannten Kinderlied "von Ast zu Ästchen", putzte sich, sah sich die Welt von oben an und gelassen auf uns herab, alles in großer Ruhe. Unternahm zwischenzeitlich auch mal einen Landeanflug auf meinen Arm im Garten unserer Nachbarn, aber er hielt wahrscheinlich die Zeit noch nicht für gekommen, wieder nach Hause zurückzukehren, und drehte wieder ab.
So ist er erst mal ein paar Grundstücke auf der anderen Seite der Straße abgeflogen, sodass schließlich alle Nachbarn auf der Straße standen, und das rege Treiben verfolgten.
Ob es dann der Hunger bei Oskar war, denn ich hatte Bananenstücke in der Hand, oder mein Rufen, egal, er kam wieder auf meinen Arm geflogen. Ausflug Nummer 2 war zu Ende.
Jetzt hat Oskar nur noch bei geschlossenen Türen und Fenster Freiflugsmöglichkeiten, und darf nur noch in seinem Käfig in den Hof oder in die große Außenvoliere.
Es ist uns inzwischen voll bewusst, dass es einen dritten Ausflug nicht geben darf. Trotz der großen Vertrautheit mit dem Beo, gibt es zu viele Möglichkeiten, z. B. dass er aufgescheucht wird, und dann eventuell nicht in der Nähe bleibt, wo man ihn wieder erfolgreich herunterlocken könnte.
Denn soviel Zufälle, wie sie hier mitspielten, gibt es nicht ein weiteres mal!


Oskar 10 Monate alt:

Nun sind mittlerweile 10 Monate vergangen und unser Oskar hat sich prächtig entwickelt. Jeden Morgen werden wir beim betreten der Küche mit einem freundlichen und mehrfachen "Guten Morgen" begrüßt. Natürlich wartet er dann schon, dass das Frühstück vorbereitet wird, und er und Beo - Dame Luci dann auch schon etwas abbekommen, bevor später ihre Obstschüsseln gereicht werden.
Ein früher Freiflug gehört schon mittlerweile zum Ritual, natürlich erst nach der ersten Entleerung. Beliebtester Landeplatz für Oskar ist der Kopf meiner Frau. Das mag sie aber gar nicht, doch das interessiert Oskar nicht. So ist er mitunter dann schneller wieder in seiner Behausung, als ihm lieb ist.
Wir hatten ihn Mitte- und Ende September auf der Gewerbe- und Kulturmesse in Petershage / Eggersdorf und auf einer Vogelausstellung unserer Interessengemeinschaft in Neuenhagen mit ausgestellt. Die Regionalzeitung hat auch darüber berichtet, und durch seine Gesprächigkeit war Oskar der "Star" des Tages.
Eigentlich erst Ende August/Anfang September, also im Alter von ca. 4 bis 5 Monaten brachte er seine ersten Worte heraus und dann ging es zügig weiter damit. Jetzt ruft er "Manfred komm' mal her", "Wiebke komm' mal her", "Guten Morgen", "Guten Tag", "Gute Nacht", "Der Kaffee ist fertig", manchmal kommt das "fertig" nicht richtig und er sagt dafür "Der Kaffee ist da". Dann ruft er auch "Wiebke, wo bist Du?", "Mein Süßer", "Geht's Dir gut, ja?", "Kleiner Scheißer", "Oma ist lieb", "Na, na, na, na", pfeift die erste Zeile der Melodie von "Du bist verrückt mein Kind", auch seinen Namen nennt er: "Oskar Fabig".
Er spricht auch manchmal einen Teil seines Wortschatzes auch passfähig durcheinander. Er hat eine sehr gut verständliche Aussprache, aber seine Stimme ist lautstärkemäßig nicht so stark ausgeprägt.
Ich habe es aber leider technisch noch nicht gepackt seine Worte mal aufzunehmen.
Er ist auch ein richtiger "Spielemax". Alles Kleinzeug, wie Kugelschreiber, Bonbons, Papiertaschentücherpackungen, Zettel und dgl. wird geschnappt und los geht's damit, bzw. wird auf den Boden geschmissen. Gern holt er meine Zettel aus der Hemd-Brusttasche heraus und fliegt davon, das geht mitunter so schnell, dass man warten muss, bis er wieder von der Gardinenstange oder Schrank herunterkommt, oder sein Interesse nachlässt.
Von seiner gesamten Statur her gesehen, gehen wir noch davon aus , dass es ein Hahn ist. Er versteht sich mit seiner Käfig - Nachbarin Luci eigentlich sehr gut. Oskar kann auch in ihren Käfig rein, ohne dass etwas passiert. Natürlich zeigen sie auch beide mitunter ihren Unwillen, und der andere akzeptiert das. Harmlose Fluggefechte in der Küche um den besten Platz auf der Gardinenstange finden natürlich auch statt.
Wir wissen nicht, nach welcher Zeit die Geschlechtsreife eines Jungbeos eintritt, aber wir haben immer noch die Hoffnung, dass wir beide verpaaren können. Ich habe es bisher unserem Oskar nicht zumuten wollen, ihm eine Feder für eine DNA - Analyse zu zupfen. Ich glaube im kommenden Frühjahr wird sich schon zeigen, ob er Hahn oder Henne ist.

Leider habe ich bis jetzt keine Zeit gefunden über unseren Jungvogel von 2006 Toni, den Neuzugang als Abgabebeo Petra, und die für Toni eingetauschte Gerda zu berichten.
Vogel-Freunde, die mehr, speziell über Beos, wissen möchten, sollten auf jeden Fall die Homepage von Martina Meister und Matthias Goebel aufsuchen!

Beitrag von
Zfrd. Manfred Fabig